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Zwischen Bundesheer und Studium in Paraguay

9. Mai 2012 - Author: OE-PY - Comments are closed

Der Wiener Michael Flatscher, 19, machte ein sechsmonatiges Praktikum als Sprachassistenzlehrer einer Deutschen Schule namens Independencia in Paraguay.

Raus aus der Zivilisation, rein in den Dschungel. Flatscher will das halbe Jahr zwischen Bundesheerund Studium sinnvoll nutzen. Das tut er als Hilfslehrer. Nebenbei kann er fremde Kulturen kennenlernen und Abenteuer erleben. Was Michael Flatscher in den ersten Tagen im fremden Land erlebte, schildert er in einem Tagebuch.

07.03.2012: Nach einem langen und anstrengenden Flug von Wien nach Asuncion ging es für mich vorerst ins GranHotel del Paraguay, um dort den Künstler Odin Wiesinger zu treffen und mit ihm auf die Delegation, die am Vormittag noch in Chile gewesen war, zu warten. Als sie dann im Laufe des Abends eintraf, hörte ich mir beim Abendessen gespannt die Berichte der bisherigen Reise an.

08.03.2012: Während die Delegation die Spitzenpolitiker Paraguays traf, nahm sich Odin Wiesinger Zeit, mir die Hauptstadt Asuncion zu zeigen. Am Abend stand die Eröffnung seiner Ausstellung im Kulturzentrum am Programm. Zusätzlich zu den grandiosen Bildern, bereicherten auch die Gespräche mit den anwesenden Persönlichkeiten diesen Abend.

09.03.2012: Bereits zeitig um7:00 Uhr in der Früh machten wir uns auf den Weg in die Kolonie „Independencia“. Nach über drei Stunden Fahrt kamen wir bei der Deutschen Schule an, wo uns die Schüler mit einer eindrucksvollen Tanz und Gesangsaufführung willkommen hießen. Anschließend gingen wir mit einigen Mitgliedern der Schulleitung ins Hotel „Tilinski“ essen. Dort wurde ich auch für meine erste Woche in der Kolonie Independencia untergebracht. Danach verabschiedete sich die Delegation von mir und „übergab“ mich offiziell dem Direktor. Dieser lud mich zu ihm nach Hause zu einem interessanten und informativen Gespräch ein.

10.03.2012: Jeden Samstag nimmt sich der Direktor die Zeit, jene Schüler, die an der Mathe-Olympiade teilnehmen, in die nächste große Stadt, Villarica, zu fahren. Dort findet ihr Vorbereitungskurs statt. Immerhin konnte die Deutsche Schule dank dieses Engagements aller Beteiligtenbei der Olympiade im vergangenen Jahr Plätze unter den zweihundert Besten des ganzen Landes erreichen. Diesen Samstag begleitete ich den Direktor. Während wir auf die Schüler warteten, zeigte er mir sachkundig Villarrica. Einziger Wermutstropfen dieses sehr interessanten Tages war die unerträgliche Hitze, an die man sich als Europäer erst gewöhnen muss.

11.03.2012: Die Söhne des Hotelbetreibers nehmen regelmäßig an Rallyes teil und diesen Sonntag fand eine in der Deutschen Kolonie statt. Die Rally selbst war relativ unspektakulär,da man fast nur den aufgewirbelten Staub sah. Es ergab sich dadurch aber eine wunderbare Gelegenheit, die Bewohner der Kolonie und deren Umgebung kennenzulernen, fand doch rund um die Ralleypiste ein regelrechtes Dorffest statt. Dort hatte ich die Gelegenheit, Mate Tee, das Nationalgetränk Paraguays, zu probieren. Nicht nur, dass es großartig schmeckt und außerdem gesund sein soll, so hat es zusätzlich einen herrlich kühlenden Effekt, derbei dieser Hitze äußerst willkommen ist.

12.03.2012: Am Montag hieß es wieder früh aufstehen, für meinen ersten Tag in der Schule, denn der Unterricht beginnt hier bereits um 7 Uhr.  Zuerst half ich im Kindergarten aus. Anschließend gab ich zwei Schülern der 7. Schulstufe Nachhilfe und am Abend lernte ich weitere Personen aus der Kolonie kennen. Dank des warmherzigen Empfangs durch die Menschen hier konnte ich mich bereits recht gut einleben.

13.03.2012: Am Dienstag war ich das erste Mal in jenen Klassen, die ich in weiterer Folge übernehmen werde. Es handelte sich dabei um die 8., 9. und 11. Schulstufe.  Alle drei Klassen wirkten sehr interessiert und ich freue mich schon darauf, diese selbstständig zu unterrichten.

16.03.2012: Mittlerweile halte ich bereits eigenverantwortlich den Unterricht in diesen drei Klassen ab. Ich gestalte ihn so, dass ich zusätzlich zu den Sprachkenntnissen auch eine erweiterte Allgemeinbildung einfließen lasse. Außerdem bin ich nun aus dem örtlichen Hotel ausgezogen: Ichwohne jetzt auf dem Anwesen einer Lehrerin, die mir dort eine eigene Wohnung zur Verfügung stellt.

17.03.2012: Heute fuhr ich mit einigen Jugendlichen wieder nach Villarica. Nach einer halben Stunde Fahrt zeigten sie mir das Nachtleben, das sich erheblich von jenem in Wien unterscheidet. Während es bei uns üblich ist, neue Leute kennenzulernen, bleibt man hier in einer geschlossenen Gruppe. Selbst auf der Tanzfläche verharrt man weiterhin nur bei seiner Gruppe, die sich rund um die dort aufgestellten Eimer mit den Getränken postiert.Es stehen bloß 2 Gläser für die gesamte Gruppe zur Verfügung. Daran nimmt hier niemand Anstoß, denn es ist durchaus üblich, dass mehrere Leute aus einem Gefäß trinken.

18.03.2012: Am Abend war ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen und hatte hier die erste Möglichkeit, das Nationalgericht„Asado“ zu kosten. Prinzipiell könnte man „Asado“ als „Fleisch-am-Spieß-grillen“ beschreiben. Ein tolles Nationalgericht! Viel einprägsamer war jedoch, was mich zuhause erwartete.  Als ich kurz vorm Schlafengehen noch einmal zur Tür ging, um das Licht auszuschalten, spürte ich plötzlich ein Krabbeln an den Füßen: Der gesamte Boden war mit Ameisen bedeckt! Sofort rief ichdie Lehrerin an. Sie kam umgehend und brachte ein Anti-Ameisenspray mit. Mit vereinten Kräften bekämpften wir diese Insekten, bei denen es sich um sogenannte„Wanderameisen“ handelte. Als ich die Veranda betrat, sah ich, dass die Ameisen auch an der gesamten Hauswand empor kletterten. Zum Glück dauert eine Invasion von Wanderameisen jedoch nur ein paar Stunden und so waren diese am nächsten Morgen wieder restlos verschwunden.

22.03.2012: Heute hatten wir eine Deutschlehrersitzung, bei der es u.a. darum ging, eine Liste der benötigten Unterrichtsmaterialien zu erstellen. Die Sitzung war zwar sehr lang, dafür konnte nun endlich ein Konzept der notwendigen Bücher erstellt werden.

23.03.2012: Hinter dem Festsaal der Schule befindet sich ein relativ kleines, zur Schule gehörendes Grundstück, welches im Prinzip bis jetzt brach lag. Gemeinsam mit ein paar Arbeitern begannen Professor Hartmann und ich, daraus einen Kinderspielplatz zu machen. Am meisten Kopfzerbrechen verursachte uns ein riesiger Baumstumpf aus Hartholz, der in der Mitte des Grundstückes fest inder Erde verwurzelt war. Es gelang uns aber in mühsamer Kleinarbeit, diesen zu entfernen,  sodass nun ein kleines Fußballfeld für die Kinder entstanden ist. Soweit ich das Land Paraguay bisher kennenlernen konnte, unterscheidet es sich nicht nur in Bezug auf das Klima und die Landschaft von Deutschland. Hier trifft man noch nicht auf jenen verschwenderischen Konsumwahn, der in Europa leider bereits zur Normalität geworden ist. Der größte Unterschied besteht allerdings im Umgang mit den Gesetzen. Während sie in Deutschland genau eingehalten und kontrolliert werden, betrachtet man sie hier eher als Verhaltensempfehlungen. Das macht das Land zwar um einiges gefährlicher, allerdings fühlt man sich dadurch auch erfrischend frei.

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